#SMWHH2018

Neue Perspektiven eines zentralen Konfliktes unserer Zeit.

Die schnelle Entwicklung des technischen Fortschritts ist eines der meist diskutierten Themen unserer Gesellschaft. Bei allen faszinierenden Veränderungen müssen wir uns fragen, welche Auswirkungen diese auf die Menschheit haben werden. Die gleichen Technologien, die uns dazu inspirieren, unsere Lebensweisen und unsere Arbeit zu überdenken, sind gleichzeitig auch jene, die uns einschüchtern und verängstigen.

Unsere Erlebnisse werden immer mehr von Algorithmen und künstlicher Intelligenz beeinflusst, und zeitweise fühlt es sich so an, als würden wir uns durch Fremdbestimmung immer weiter von dem, was uns als Menschen im Kern ausmacht, entfernen. Eine neue Realität zwingt uns in unserem Privat- und Berufsleben immer wieder aufs Neue, uns mit dem Wunsch, Communitys zu bilden auf der einen Seite und dem Streben nach Individualismus auf der anderen Seite auseinanderzusetzen.

Die 7. Social Media Week Hamburg macht mit dem globalen Motto “Closer” diesen starken Konflikt zwischen Communitys und Individualismus zum Thema der Konferenz. Als Ziel der aktuellen Diskussion sollen vielfältige Perspektiven vereint und Innovationen vorangetrieben werden, die Verbrauchererfahrungen verbessern und Menschen zusammenbringen.

Während des kommenden Jahres werden wir uns darauf konzentrieren, wie drei wichtige Trends Einfluss auf Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft nehmen:

Fünfzig Prozent der Teenager geben zu, Smartphone-süchtig zu sein.

Social Media hat die Medien für die Massen zugänglich gemacht, so dass jeder Mensch sofort ein Publikum auf eine nie zuvor dagewesene Weise erreichen kann. Hinzu kommen Forschungsergebnisse, die belegen, dass ein Like auf Facebook eine ähnliche Wirkung auf das Gehirn hat wie Kokain. Entstanden ist eine Kultur von Narzissten: Filter, die unser Aussehen verändern, Bots, die unsere Followeranzahl optimieren und der plötzliche vermeintliche Ruhm, vorgelebt von Instagram-Berühmtheiten wie den Kardashians.

Personalisierung war ein Segen für Unternehmen und Vermarkter. Heutzutage können auf Basis von Social Graphs wertvolle maßgeschneiderte Maßnahmen an die Verbraucher ausgespielt werden. Aber führt die zunehmende Personalisierung zu einem Individualismus, der den Nutzern schaden könnte? Und wie verhindern wir die totale Abhängigkeit von unseren Smartphones ohne auf all die Vorteile zu verzichten?

Soziale Plattformen haben ideologische Diskrepanzen deutlich dramatisiert.

Soziale Medien versprechen, uns neue Kulturen und Communitys aufzuzeigen, doch in vielen Fällen wird ein gegenteiliger Effekt erreicht.  Eine Studie aus 2016, die das Nutzerverhalten im Internet von 50.000 Menschen in den USA untersuchte, stellte fest, dass soziale Netzwerke und Suchmaschinen einen Keil zwischen uns treiben, unsere Meinungen verhärten und wir kaum andere Perspektiven zulassen.

Um diesem Trend entgegenzuwirken hat Mark Zuckerberg vor kurzem den Fokus seines Unternehmens noch deutlicher auf den Community-Aufbau gelegt. BuzzFeed hat es geschafft, ausschließlich basierend auf ihren Inhalten, eine eigene Subkultur innerhalb ihrer Community zu erschaffen. Agenturen entstehen mit dem Versprechen, Marketingspezialisten zu helfen, ihre Marken im Kontext von Zusammengehörigkeit und sozialem Wohl aufzubauen. Angesichts der algorithmisch angetriebenen „Filterblasen“, die unser Leben zu beherrschen scheinen, fragen wir uns, wie Technik dazu genutzt werden kann, Menschen einander näher zu bringen, anstatt sie zu entfremden?

Bis 2020 werden 80 Prozent der Verbraucher-Interaktionen ohne einen Menschen stattfinden.

Bill Gates nennt AI „den Heiligen Gral der Computerwissenschaft“. Er und weitere optimistische Anhänger glauben an das Potential von AI, unser Leben zu verbessern und neue Chancen für die Menschheit zu erschließen.  Pessimistischere Stimmen, wie die von Elon Musk, warnen uns hingegen vor der Macht von AI, die jenseits der menschlichen Kontrolle liegt. AI ist zu einem Grundpfeiler des Kundenerlebnisses geworden, dabei hat es den Unternehmen geholfen, cleverer, aber nicht härter zu arbeiten, um eine Steigerung der Effizienz und Leistung zu erreichen. Wie können wir sicherstellen, dass diese Technologien nicht drohen, unsere Interaktionen zu entmenschlichen und uns stattdessen näher zusammenbringen? Was kann getan werden, um durch AI die Lebensqualität für alle Menschen in einer kontrollierten Art und Weise zu steigern?

Closer to a new tipping point

Wenn wir auf die erste globale Social Media Week im Februar 2009 in New York zurückblicken, war die Welt viel einfacher.  Facebook warb mit bescheidenen 150 Millionen Nutzern. Das Konzept von Snapchat, Instagram und anderen populären Plattformen war noch nicht einmal erfunden. Die Begriffe VR, AR und AI waren keine festen Bestandteile der Marketingsprache. Stattdessen lag der Fokus auf der Bildung von Communitys, aber auch darauf, Marken zu einem verbraucherorientierten Image zu verhelfen. Zu dieser Zeit war das durchaus keine kleine Aufgabe für eine Branche, die sich seit der Entwicklung des Fernsehers in den 1960ern nicht wesentlich verändert hat.

Inzwischen fast im Jahr 2018 angekommen, finden wir uns an einem ähnlichen Wendepunkt wieder. Jedoch stehen wir nun Fragen rund um die zunehmend personalisierte Konsumlandschaft gegenüber. Welche Fähigkeiten benötigen wir, um die zunehmend automatisierte Welt zu steuern? Wie können wir unsere Technologien nutzen, um Menschen näher zueinander zu bringen anstatt sie voneinander weg zu treiben? Wie können wir unsere demokratisierte Medienlandschaft auch mit dem zunehmenden Auftreten narzisstischen Verhaltens in Balance halten?

2018 werden auf der Hamburger Konferenz und weiteren mehr als 25 SMW-Konferenzen auf der ganzen Welt die Experten und Innovatoren über technologischen Fortschritt diskutieren, um herauszufinden, wie wir in Zukunft verantwortungsvollere und innovativere Unternehmen und bessere Gemeinschaften erschaffen.

Abonniere unseren Newsletter